Mein erstes Buch.

Wenn ich heute daran zurückdenke, muss ich schmunzeln. Damals war ich voller Ideen und Begeisterung. Ich wusste: Ich habe etwas zu sagen. Was ich nicht wusste: wie man ein Buch wirklich schreibt, produziert, veröffentlicht und strategisch nutzt.

Vielleicht erkennst du dich wieder. Du hast Expertise, Geschichten, Wissen. Und irgendwo im Hinterkopf diesen Satz: „Daraus möchte ich gerne ein Buch machen.“ Genau dort stand ich auch.

In diesem Artikel nehme ich dich mit hinter die Kulissen meines ersten Buchprojekts. Ich erzähle dir ehrlich, welche Fehler ich gemacht habe, warum sie völlig normal sind und was du heute besser machen kannst, ohne dieselben Umwege zu gehen.

 

Übersicht:

Fehler 1: Ich hatte keine Struktur. Das Buch entstand beim Schreiben

Fehler 2: Es gab kein externes Lektorat

Fehler 3: Ich kannte nicht mal die Basics der Typografie

Fehler 4: Formalkriterien? Nie gehört!

Fehler 5: Ich bin keine Grafikerin. Trotzdem wollte ich alles selbst machen.

Fehler 6 & 7: Hochladen und Veröffentlichen ohne Erfahrung

Mein goldener Tipp für dein erstes Buch

Warum ich heute andere begleite

PS: Was ich richtig gemacht habe

 

 

Fehler 1: Ich hatte keine Struktur. Das Buch entstand beim Schreiben

Ich habe einfach begonnen. Kapitel für Kapitel. Gedanke für Gedanke. Mal hier eine Idee, mal dort eine Geschichte. Das fühlte sich frei an, kreativ, lebendig. Und ja, das Schreiben selbst hat mir Spaß gemacht.

Das Problem kam später.

Plötzlich passten Kapitel nicht mehr zusammen. Inhalte wiederholten sich. Wichtige Punkte fehlten, während andere zu ausführlich wurden. Ich schrieb um, strich, ergänzte. Und drehte mich ein wenig im Kreis.

Ein konkretes Beispiel:

In einem Kapitel erklärte ich die Bedeutung von Stressmanagement im Detail mit Beispielen, einem Test, dem ganzen Brimborium. In einem anderen Kapitel griff ich dasselbe Thema nochmal auf, weil ich vergessen hatte, dass ich darüber bereits geschrieben hatte. Meine Testleser fragten verwirrt: „Wolltest du das wiederholen oder ist das ein Versehen?“

Dazu kam: Ich hatte zwar eine grobe Vorstellung von meiner Zielgruppe, aber keine klare Leser:innenreise definiert. Wo steht mein Publikum am Anfang? Wo soll es am Ende sein? Welche Fragen muss ich in welcher Reihenfolge beantworten? All das fehlte.

Was ich heute weiß:

Ein Buch ist weder ein Tagebuch noch ein loses Sammelsurium von Gedanken. Ein Sachbuch bzw. Expertenbuch braucht – genau wie ein Krimi – eine klare Dramaturgie:

  • einen roten Faden, der sich durch jedes Kapitel zieht
  • eine saubere Leserführung, die Schritt für Schritt aufbaut
  • eine logische Abfolge von Fragen und Antworten
  • Kapitel, die aufeinander aufbauen statt nebeneinander zu stehen

 

Mein Tipp für dich:

Struktur ist kein Kreativitätskiller. Sie ist dein Sicherheitsnetz. Nutze Tools wie Trello, Notion oder auch klassische Karteikarten, um deine Kapitel und Unterkapitel zu visualisieren, zu ordnen oder zu verschieben, bevor du auch nur ein Wort schreibst. Das spart dir später Wochen an Überarbeitungszeit.

 

Fehler 2: Es gab kein externes Lektorat

Damals dachte ich: Das krieg ich schon selbst hin. Ich kann schreiben, ich habe ein gutes Sprachgefühl, ich lese viel.

Spoiler: Das reicht bei Weitem nicht.

Ich war viel zu nah am Text. Zwar wusste ich, was ich sagen wollte, aber ich überlas holprige Stellen, Argumentationssprünge und unklare Passagen. Von der gefühlt tausendmaligen Verwendung von „auch“ und anderen Wortwiederholungen ganz zu schweigen.

Beispiel aus meinem ersten Manuskript gefällig?

Ich hatte das Wort „wichtig” in einem einzigen Absatz fünfmal verwendet. Fünfmal! (Scheint wirklich wichtig gewesen zu sein. 😉) Beim Schreiben war mir das nicht aufgefallen. Für die Lesenden klingt so etwas aber wie eine kaputte Schallplatte.

Was noch schlimmer war: Es gab Stellen, an denen ich Vorwissen voraussetzte, das ich nirgendwo erklärt hatte. Ich sprang mitten hinein in ein Thema, das für mich logisch war – aber bei jemanden, der zum ersten Mal davon liest, ein großes Fragezeichen hervorruft.

 

Was ein Lektorat wirklich leistet

Ein professionelles Lektorat prüft nicht nur Sprache, sondern auch:

  • Verständlichkeit: Kann deine Zielgruppe folgen, oder verlierst du sie unterwegs?
  • Logik: Sind deine Argumente nachvollziehbar aufgebaut?
  • Stringenz: Bleibst du bei deiner Kernaussage oder springst du?
  • Tonalität: Passt dein Ton zur Zielgruppe und zum Thema?
  • Zielgruppenpassung: Sprichst du deine Leser:innen wirklich an oder an ihnen vorbei?

 

Mein Tipp für dich:

Lektorat ist kein Luxus. Es ist Qualitätssicherung. Investiere dein Geld in eine:n Lektor:in, es macht sich bezahlt.

Und nein, ChatGPT ist kein Ersatz. KI kann Grammatik- und Rechtschreibfehler finden, aber sie erkennt nicht, ob dein Kapitel 4 inhaltlich mit Kapitel 2 kollidiert oder ob dein Ton in Kapitel 7 plötzlich völlig anders klingt als im Rest des Buches.

 

Fehler 3: Ich kannte nicht mal die Basics der Typografie

Wusstest du, dass die Auslassungszeichen (…) ein einziges Zeichen sind und man nicht einfach 3 Punkte macht? Oder dass diese mit einem schmalen, geschützten Leerzeichen an das Wort davor gekoppelt werden müssen? Ich wusste es nicht.

Was ist ein schmales geschütztes Leerzeichen, fragst du dich jetzt möglicherweise. Tja, genau um solche Dinge geht’s! Schreibe mir eine Nachricht und du bekommst von mir ein PDF mit den wichtigsten typografischen Regeln für dein Buch. Geschenkt. Einfach so.

Ich hatte auch keine Ahnung, wie man z. B. korrekt schreibt. Genausowenig wie vom Unterschied zwischen deutschen, englischen und französischen Anführungszeichen oder jenem zwischen Bindestrich und Gedankenstrich. Die Liste wäre endlcos

Und natürlich wusste ich nicht, welche Schriftart, Schriftgröße und welcher Zeilenabstand am besten für ein Buch geeignet sind. Woher auch?!

Ein konkretes Beispiel:

Ich hatte mein Manuskript in Arial 11pt mit 1,0-fachem Zeilenabstand formatiert. Das sah auf dem Bildschirm „kompakt” aus, ausgedruckt war es eine Qual zu lesen. Die Zeilen verschwammen ineinander, der Text wirkte erdrückend.

Das Ergebnis: Das Buch, war zwar inhaltlich gut, aber anstrengend zu lesen.

Gute Typografie sorgt nicht nur für ein schönes Schriftbild, sondern auch für bessere Lesbarkeit, Professionalität und Vertrauen. Ein sauber gesetztes Buch wirkt kompetent, noch bevor der erste Satz gelesen wird. Ein chaotisch gestaltetes Buch wirkt hingegen unprofessionell – selbst dann, wenn der Inhalt großartig ist.

 

Mein Tipp für dich:

Gute Typografie ist kein Luxus, sondern Teil deiner Autor:innen-Visitenkarte. Lerne deshalb die Grundlagen: Investiere 1–2 Stunden in die Basics. Hol dir dazu ein gutes Buch wie z. B. den „Buchsatz-Kompass“ von Gabi Schmid oder schick mir ein E-Mail, um mein PDF mit den Grundlagen zu erhalten.

 

Fehler 4: Formalkriterien? Nie gehört!

Normseite, Randabstände, Satzspiegel, Titelei, Seitenzahlen ab Seite 5 (oder doch 7, 8 oder 9?). Vieles davon musste ich erst googeln (KI gab es noch nicht). Außerdem habe ich mich damals gefragt: Braucht man das wirklich alles? 

Die Antwort: Ja.

Mein erstes gedrucktes Buch hatte keine korrekte Titelei. Er begann mit dem Impressum, gefolgt vom Inhaltsverzeichnis. Als ich das gedruckte Probeexemplar in der Hand hielt, wirkte es … unfertig. Ein bisschen wie ein Prototyp.

Noch problematischer: Ich hatte sichtbare Seitenzahlen auf jeder Seite, von der ersten bis zur letzten. Das findest du in keinem professionell gesetzten Buch so. Aber ich wusste es einfach nicht besser.

Form ist kein Selbstzweck

Formale Kriterien sind keine Schikane. Sie sorgen dafür, dass ein Buch – besonders im Selfpublishing – von den Leser:innen ernst genommen wird. Deshalb stelle ich dir hier die wichtigsten Formalien vor:

  1. Zur Titelei zählen: Schmutztitel, Haupttitel, Impressum, ggf. Widmung, Inhaltsverzeichnis
  2. Die Seitenzählung beginnt meist ab der ersten Textseite (oft Seite 5 oder 7)
  3. Der Satzspiegel ist die bedruckbare Fläche auf der Seite. Und die geht nicht bis zum Rand!
  4. Kapitelanfänge sind ansprechender, wenn sie auf einer rechten Seite beginnen (ungerade Buchseite).
  5. Und Weißraum macht dein Buch leserfreundlich. Bilder, Tabellen, Zitate sollten nicht zu dicht am Text kleben.

 

Mein Tipp für dich:

Schau dir 5–10 professionell verlegte Bücher aus deinem Genre an. Wie ist die Titelei aufgebaut? Wo beginnen die Seitenzahlen? Wie viel Weißraum gibt es rund um den Text? Wie sind Kapitel gestaltet? Mach dir Notizen und orientiere dich daran. Du musst das Rad nicht neu erfinden – nutze einfach, was funktioniert.

 

Fehler 5: Ich bin keine Grafikerin. Trotzdem wollte ich alles selbst machen.

Wir sprechen von Cover und Innenlayout bzw. Buchkern. Ich hatte weder Computerprogramme, die Grafiker:innen verwenden, noch deren Know-how. Das einzige, was ich hatte, war der Anspruch, ein optisch ansprechendes Buch zu gestalten. Das Ergebnis: sehr viel Frust.

Die Geschichte meines ersten Covers:

Immer schon arbeitete ich mit Canva. Fürs Cover habe ich mir die Profi-Version geleistet, eine hübsche Vorlage gewählt, meinen Titel draufgepackt – fertig. Dachte ich …

Das Problem: Es sah zwar „ganz nett” aus, aber es erfüllte keine einzige der wichtigen Cover-Funktionen:

  • Es kommunizierte nicht klar, worum es im Buch geht.
  • Es sprach meine Zielgruppe nicht visuell an.
  • Es war in der Miniaturansicht (z. B. im Verlauf bei Amazon) kaum lesbar.
  • Es wirkte generisch und hätte zu hundert anderen Büchern gepasst.
  • Es sah irgendwie hausgemacht aus.

 

Noch schlimmer: Als ich es drucken ließ, merkte ich, dass die Auflösung viel zu niedrig war. Das Cover war pixelig. Ein Albtraum. 🙈

Beim Innenlayout hatte ich Ähnliches erlebt. Ich erspare dir die Einzelheiten. Heute weiß ich: Manche Dinge kann und sollte man an Profis delegieren.

 

Mein Tipp für dich:

  • Cover: Investiere unbedingt in ein professionell gestaltetes Cover. Das ist oft die beste Investition überhaupt. Ein gutes Cover kostet zwischen 300 und 800 Euro und macht den Unterschied zwischen „will haben” oder „weiterscollen”.
  • Innenlayout: Beauftrage entweder einen Buchsetzer oder setz dich mit den umfangreichen Möglichkeiten, die Word bietet, auseinander und mach es selbst. In meiner BuchLounge werde ich dazu einen Videokurs anbieten. Wenn du Interesse hast, melde dich gerne bei mir.
  • Grafiken: Wenn du Infografiken, Diagramme oder Illustrationen brauchst, arbeite mit jemandem zusammen, der sich damit auskennt. Canva und andere KI sind gut für schnelle Social-Media-Posts, aber für ein Buch brauchst du meist mehr.

 

Wichtig: Schreib ein Briefing für deinen Coverdesigner und Buchsetzer. Was ist die Kernaussage deines Buches? Wer ist deine Zielgruppe? Welcher Stil passt? Je klarer du das kommunizieren kannst, desto besser wird das Ergebnis.

 

Fehler 6 & 7: Hochladen und Veröffentlichen ohne Erfahrung 

Auch beim Anlegen des KDP-Kontos und beim Veröffentlichen habe ich grandios versagt:

  • Ich habe mein Buch in Kategorien gesteckt, in denen es unterging wie eine Flaschenpost im Pazifik.
  • Meine Keywords? Gefühlt statt konkret analysiert.
  • Und meine Buchbeschreibung klang eher nach einem Tagebucheintrag als nach „Kauf mich!“
  • Von den Marketingmöglichkeiten, die Amazon uns Selfpublishern bietet, wie den A+ Inhalten, hatte ich sowieso keinen Schimmer.
  • Dazu kamen VLB-Eintrag und andere mysteriöse Abkürzungen, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie nicht kannte.

 

Kurz: Es war ein zeitaufwändiges Chaos mit großer Lernkurve. So abenteuerlich, dass diese Fehler einen eigenen Blogartikel verdient haben, den ich noch schreiben werde. Versprochen.

Wenn du den Artikel bis hierher gelesen hast, dann vermutlich, weil du selbst ein Buch schreiben willst. Oder sogar schon dabei bist. Die gute Nachricht ist: Du musst diese Fehler nicht machen. Die noch bessere Nachricht: Fehler zu machen, ist menschlich und gehört zum Prozess dazu. Mein erstes Buch war nicht perfekt. Aber es war fertig. Und das ist schon mehr, als viele Menschen jemals schaffen!

 

Mein goldener Tipp für dein erstes Buch

Hol dir früh professionelle Begleitung. Nicht erst, wenn es schon weh tut. Du musst nicht alles alleine machen. Im Gegenteil: Ein gutes Team macht den Unterschied zwischen „irgendein Buch” und „ein tolles Buch, das wirkt”.

Das kann sein:

  • Ein/Eine Buchcoach für die Struktur-, Strategie- und Prozessberatung
  • Lektor:in für Inhalt und Sprache
  • Korrektor:in für Fehlerfreiheit
  • Cover-Designer:in
  • Buchsetzer:in
  • Buchmarketing-Expert:in

 

Niemand erwartet, dass du als Autor:in auch Grafikdesigner:in, Marketingprofi und Buchbinder:in in einem bist. Also hol dir Unterstützung. Und zwar nicht erst, wenn du schon feststeckst, sondern von Anfang an.

 

Warum ich heute andere begleite

Ja, heute begleite ich andere auf dem Weg zu ihrem Buch. Nicht, weil ich alles immer richtig gemacht habe. Sondern:

… weil ich weiß, wie es sich anfühlt, ohne Plan zu starten. Und wie befreiend es ist, einen zu haben.

… weil ich weiß, wie frustrierend es ist, stundenlang an einem Kapitel zu sitzen und zu merken, dass es nicht funktioniert, weil die Struktur von Anfang an schief war.

… weil ich weiß, wie schmerzhaft es ist, ein fertiges Manuskript zu haben, und zu merken, dass es noch nicht veröffentlichungsreif ist, weil wichtige Prozessschritte fehlen.

… und weil ich weiß, wie unglaublich gut es sich anfühlt, ein fertiges Buch in der Hand zu halten, das nicht nur inhaltlich stark ist, sondern auch professionell produziert, strategisch gedacht und gut vermarktet.

Mein Wunsch für dich: Dass du dir die Umwege sparst, die ich gegangen bin. Dass du von Anfang an weißt, worauf es ankommt. Und dass dein erstes Buch nicht nur fertig wird, sondern richtig gut. Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg.

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PS: Was ich richtig gemacht habe

Meine Schwester Elvira ist gelernte Deutschlehrerin und hat einige meiner Manuskripte korrigiert. Und ja, sie hat das immer großartig gemacht. Auch du kannst deine Geschwister, Partner:in oder Freunde um Feedback bitten. Aber verlasse dich nicht nur darauf. Hol dir Input von jemandem, der emotional nicht involviert ist und dir ehrlich sagt, was funktioniert und was nicht. Denn: Je professioneller dein Anspruch, desto professioneller muss auch das Team sein.

 

 

Marie Fröhlich hält Expertenbuch

Über die Autorin

Marie Fröhlich ist Autorin von sechs Amazon-Bestseller-Büchern und erfahrene Selfpublishing-Strategin. Sie zeigt Unternehmer:innen vor allem aus dem Bereich Coaching, Beratung und Therapie, wie sie ein Buch schreiben und veröffentlichen, das zu ihrem stärksten Marketing-Instrument wird, und begleitet sie durch den gesamten Prozess. Zahlreiche Expertinnen und Experten haben mit ihrer Unterstützung bereits erfolgreich ihr Ratgeber- oder Sachbuch veröffentlicht, es gezielt für Positionierung und Sichtbarkeit genutzt und damit neue Aufträge generiert.

Marie ist Gründerin der BuchLounge, lebt in Wien, arbeitet aber mit Kunden weltweit (Deutsch & Italienisch).